CE-Zertifikat: Was es ist und was Käufer verlangen sollten
Gibt es ein CE-Zertifikat? Warum Produkte nach Modul A keines haben, was benannte Stellen ausstellen und was Sie Käufern stattdessen vorlegen.

Eine benannte Stelle brauchen Sie nur, wenn die für Ihr Produkt geltende EU-Rechtsvorschrift ein Konformitätsbewertungsmodul mit Beteiligung Dritter vorschreibt. Viele Produkte, etwa solche unter der Niederspannungsrichtlinie oder RoHS, nutzen Modul A und brauchen keine benannte Stelle. Produkte mit höherem Risiko, etwa ATEX-Geräte der Kategorien 1 und 2, Druckgeräte ab Kategorie II und manche Maschinen, brauchen eine.
Eine benannte Stelle ist eine Organisation, die Konformitätsbewertungen als Dritte nach einer oder mehreren EU-Produktvorschriften durchführt. Die Behörde eines Mitgliedstaats benennt sie, nachdem sie ihre Kompetenz, Unabhängigkeit und Unparteilichkeit geprüft hat. Diese Behörde notifiziert sie dann der Europäischen Kommission und den übrigen Mitgliedstaaten; daher stammt die englische Bezeichnung „notified body“.
Jede Notifizierung gilt für bestimmte Rechtsvorschriften, bestimmte Module und bestimmte Produktarten. Außerhalb dieses Umfangs ist die Stelle nicht befugt, als benannte Stelle zu handeln. Benannte Stellen können private oder öffentliche Organisationen sein, und Sie bezahlen sie für ihre Leistungen. Was auch immer die Stelle feststellt, der Hersteller bleibt für die Konformität verantwortlich.
Die Konformitätsbewertung zeigt, dass ein Produkt die grundlegenden Anforderungen erfüllt, bevor es in Verkehr gebracht wird. Jedes Verfahren betrachtet zwei Phasen: die Entwurfsphase und die Fertigungsphase. Der Beschluss Nr. 768/2008/EG stellt in seinem Anhang II eine Auswahl von Verfahren bereit, die Module genannt werden. Jede EU-Rechtsvorschrift wählt dann die Module aus, die zum Risiko ihrer Produkte passen.
Die Kombinationen, denen Sie am häufigsten begegnen, sind B+C, B+D, B+E und B+F. Die Rechtsvorschrift legt die Auswahl fest, und innerhalb dieser wählt der Hersteller. Ein kleines Unternehmen ohne zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem bevorzugt vielleicht B+C. Ein großes Unternehmen mit vielen Varianten bevorzugt vielleicht Modul H, damit eine Genehmigung seine gesamte Produktpalette abdeckt. Die Wahl beeinflusst Kosten, Durchlaufzeit und die Häufigkeit, mit der eine benannte Stelle Sie besucht.
Jede EU-Produktvorschrift enthält einen Artikel über die Konformitätsbewertungsverfahren. Dieser Artikel ist Ihr Ausgangspunkt. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Rechtsvorschriften zusammen, denen Exporteure begegnen. Lesen Sie den Artikel immer in der neuesten konsolidierten Fassung der Rechtsvorschrift.
| Rechtsvorschrift | Zulässige Module | Benannte Stelle? |
|---|---|---|
| Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU | Nur A | Nein, unter dieser Richtlinie gibt es keine |
| RoHS-Richtlinie 2011/65/EU | A | Nein |
| EMV-Richtlinie 2014/30/EU | A oder B+C | Nur wenn Sie B+C wählen |
| Funkanlagenrichtlinie 2014/53/EU | A, B+C oder H | Hängt von harmonisierten Normen für Artikel 3 Absatz 2 und 3 ab |
| ATEX-Richtlinie 2014/34/EU | Abhängig von der Gerätekategorie | Ja für die Kategorien 1 und 2 |
| Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU | Abhängig von Kategorie I bis IV | Ja ab Kategorie II |
Nach der Niederspannungsrichtlinie (NSR) und RoHS erstellt der Hersteller die technischen Unterlagen, führt die Bewertung durch und unterzeichnet die Erklärung allein. Wenn Ihnen jemand sagt, eine benannte Stelle müsse Ihr Niederspannungsprodukt zertifizieren, fragen Sie, welcher Artikel das vorschreibt. Nach der EMV-Richtlinie nutzen die meisten Hersteller Modul A mit harmonisierten Normen. Beim Weg B+C prüft eine benannte Stelle die technischen Unterlagen und die EMV-Bewertung, ohne ein Muster zu prüfen. Das kann helfen, wenn keine harmonisierte Norm gut zu Ihrem Produkt passt. Mehr dazu in unserem Kurs zur EMV-Richtlinie.
Für Gesundheit, Sicherheit und EMV nach Artikel 3 Absatz 1 der Funkanlagenrichtlinie (RED) ist Modul A immer möglich. Für die Funk- und sonstigen Anforderungen nach Artikel 3 Absatz 2 und 3, einschließlich der Cybersicherheit, ist Modul A nur möglich, wenn Sie harmonisierte Normen, die diese abdecken und deren Fundstellen im Amtsblatt veröffentlicht sind, vollständig anwenden. Wenn eine Einschränkung in der Fundstelle für Ihr Produkt relevant ist, Sie Normen nur teilweise anwenden oder keine Norm existiert, müssen Sie B+C oder H mit einer benannten Stelle nutzen.
Das ist seit dem 1. August 2025 sehr praxisrelevant, denn seitdem gelten nach der Delegierten Verordnung (EU) 2022/30 Cybersicherheitsanforderungen für viele Funkprodukte. Die harmonisierten Normen sind die Reihe EN 18031, derzeit mit Einschränkungen zitiert. Lesen Sie die Fundstelle selbst und prüfen Sie den aktuellen Stand im Amtsblatt. Unser Kurs zur RED-Cybersicherheit behandelt dies ausführlich.
Die ATEX-Verfahren hängen von der Gerätekategorie ab:
Modul G ist außerdem für alle Kategorien zulässig. Für Schutzsysteme und einige andere Vorrichtungen gelten eigene Regeln. Nach der Druckgeräterichtlinie (DGRL) ermitteln Sie die Kategorie aus der Geräteart, dem maximal zulässigen Druck, dem Volumen oder der Nennweite und der Fluidgruppe. Kategorie I nutzt Modul A. Ab Kategorie II ist immer eine benannte Stelle beteiligt. Geräte unterhalb der niedrigsten Schwelle fallen unter die gute Ingenieurpraxis und erhalten nach dieser Richtlinie keine CE-Kennzeichnung.
Das Datum des Inverkehrbringens entscheidet, welche Rechtsvorschrift für jedes Exemplar gilt. Maschinen, die bis zum 19. Januar 2027 in Verkehr gebracht werden, folgen der Richtlinie 2006/42/EG. Ab dem 20. Januar 2027 folgen sie der Verordnung (EU) 2023/1230. Bei Maschinen werden elektrische Gefährdungen durch das Maschinenrecht abgedeckt, sodass keine gesonderte Bewertung nach der NSR erfolgt.
Nach der Richtlinie nutzen Maschinen außerhalb von Anhang IV die interne Fertigungskontrolle nach Anhang VIII, ohne benannte Stelle. Maschinen nach Anhang IV dürfen Anhang VIII nur nutzen, wenn harmonisierte Normen alle einschlägigen grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen vollständig abdecken. Andernfalls brauchen Sie eine EG-Baumusterprüfung (Anhang IX) oder eine umfassende Qualitätssicherung (Anhang X).
Nach der Verordnung:
Anhang I der Verordnung ist keine Kopie von Anhang IV der Richtlinie; gehen Sie also nicht davon aus, dass Ihr Ergebnis gleich bleibt. Unvollständige Maschinen tragen nach dem Maschinenrecht keine CE-Kennzeichnung, und es ist keine benannte Stelle beteiligt. Unser Leitfaden zur Maschinenverordnung 2023/1230 erklärt die Änderungen.
Alle benannten Stellen sind in NANDO aufgeführt, einer öffentlichen Datenbank der Europäischen Kommission. Sie können nach Rechtsvorschrift, nach Land oder nach Stelle suchen. Für jede Stelle zeigt NANDO die Rechtsvorschriften, die Module und die Produkte, die sie bewerten darf. Außerdem zeigt es ausgesetzte oder zurückgezogene Notifizierungen. Eine außerhalb des notifizierten Umfangs ausgestellte Bescheinigung stützt Ihre Konformitätserklärung nicht.
Benannte Stellen sind in der Regel in der EU oder im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) ansässig. Stellen aus einigen Ländern mit besonderen Abkommen mit der EU, etwa der Türkei, können für bestimmte Rechtsvorschriften ebenfalls in NANDO erscheinen. Die Regeln unterscheiden sich je nach Abkommen und Rechtsvorschrift; prüfen Sie daher NANDO, statt Annahmen zu treffen. Berücksichtigen Sie bei der Auswahl:
Fordern Sie ein schriftliches Angebot an, das jeden Schritt aufführt, einschließlich Prüfungen, Audits, Reisen und Aufrechterhaltung der Bescheinigung. Eine benannte Stelle muss unparteiisch sein. Sie darf das Produkt, das sie bewertet, weder entwerfen, herstellen, installieren noch warten und darf nicht dazu beraten, wie dieses Produkt konform wird.
Nach Modul B stellt eine benannte Stelle eine EU-Baumusterprüfbescheinigung für den Entwurf aus. Nach Qualitätssicherungsmodulen wie D, E oder H stellt sie eine Zulassung des Qualitätssicherungssystems aus, gefolgt von regelmäßigen Überwachungsaudits. Nach Modul G stellt sie eine Konformitätsbescheinigung für das einzelne geprüfte Exemplar aus. Viele dieser Dokumente haben ein Ablaufdatum. Wenn Sie das Produkt ändern, informieren Sie die Stelle, denn manche Änderungen erfordern eine neue Prüfung.
Die Kommission vergibt jeder Stelle eine vierstellige Kennnummer. Wenn die Stelle an der Fertigungsphase beteiligt ist, folgt diese Nummer der CE-Kennzeichnung, zum Beispiel CE xxxx. Bei B+C, wo die Stelle nur in der Entwurfsphase tätig wird, folgt die Nummer der CE-Kennzeichnung nicht. Die Konformitätserklärung nennt immer die beteiligte Stelle.
Für ein Produkt nach Modul A gibt es kein „CE-Zertifikat“. Das einzige Dokument, das die Konformität erklärt, ist die EU-Konformitätserklärung des Herstellers. Manche Stellen stellen außerhalb der gesetzlichen Verfahren freiwillige Zertifikate aus. Diese ersetzen nicht das gesetzlich vorgeschriebene Verfahren und übertragen keine Verantwortung vom Hersteller. Der Kurs Grundlagen der CE-Kennzeichnung behandelt die Konformitätsbewertung in Modul 4.
Grundlagen der CE-Kennzeichnung führt Sie von den Regeln des EU-Marktes bis zu Ihrer ersten Lieferung, mit Vorlagen und Quizfragen. Modul 1 ist kostenlos.
Nein. Die Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU lässt nur Modul A, die interne Fertigungskontrolle, zu, und es gibt unter ihr keine benannten Stellen. Der Hersteller erstellt die technischen Unterlagen, führt die Bewertung durch und unterzeichnet die Erklärung. Andere Rechtsvorschriften, die für dasselbe Produkt gelten, etwa die RED, können andere Regeln haben.
Eine benannte Stelle wird von einem Mitgliedstaat benannt und der Kommission für bestimmte Rechtsvorschriften, Module und Produkte notifiziert, und sie wirkt am gesetzlichen Konformitätsbewertungsverfahren mit. Ein Prüflabor erstellt Prüfberichte, die als Nachweise in Ihren technischen Unterlagen dienen. Berichte von nach ISO/IEC 17025 akkreditierten Laboratorien werden von den Produktvorschriften nicht verlangt, haben aber Gewicht.
Nein. Eine benannte Stelle muss unparteiisch sein und darf das Produkt, das sie bewertet, daher weder entwerfen, herstellen, installieren noch warten oder dazu beraten, wie es konform wird. Sie kann ihre Anforderungen erläutern und auf die einschlägigen Normen hinweisen. Für Unterstützung bei der Entwicklung wenden Sie sich an einen unabhängigen Berater, der Sie nicht bewerten wird.
Benannte Stellen sind in der Regel in der EU oder im EWR ansässig. Stellen aus einigen Ländern mit besonderen Abkommen mit der EU, etwa der Türkei, können für bestimmte Rechtsvorschriften in NANDO erscheinen. Prüfen Sie in NANDO die Stelle und die benötigte Rechtsvorschrift, denn die Bescheinigung zählt nur, wenn die Notifizierung Ihre Rechtsvorschrift und Ihr Modul abdeckt.
Dieser Leitfaden ist allgemeines Lernmaterial und keine Rechtsberatung. EU-Vorschriften und Fundstellen von Normen ändern sich: Prüfen Sie vor Ihrer Entscheidung die aktuellen Texte im Amtsblatt der Europäischen Union.
Gibt es ein CE-Zertifikat? Warum Produkte nach Modul A keines haben, was benannte Stellen ausstellen und was Sie Käufern stattdessen vorlegen.
Änderungen der Maschinenverordnung 2023/1230 ab 20. Januar 2027: Übergang je Exemplar, Anhang I Teil A und B, unvollständige Maschinen, digitale Anleitung.
RED-Cybersicherheit seit August 2025: Delegierte Verordnung 2022/30, Art. 3 Abs. 3 d, e, f, EN-18031-Einschränkungen und wann eine benannte Stelle nötig ist.
Tragen Sie sich in die Warteliste ein und erhalten Sie Einführungspreise sowie eine kostenlose Checkliste zur Anwendbarkeit der CE-Kennzeichnung. Wir schreiben Ihnen ausschließlich zu VeridEx-Kursen.
Vielen Dank, Sie stehen auf der Warteliste. Wir melden uns vor dem Start bei Ihnen.